Bücherhalle Altona Dacia Maraini: "Das Mädchen und der Träumer"

09.11.2017

Podiumsgespräch in der Bücherhalle Altona

In Kooperation mit dem Istituto Italiano di Cultura, dem Folio Verlag, der Societa Dante Alighieri Kiel, dem Literaturhaus Schleswig-Holstein und dem Institut für Romanistik der Universität Hamburg, las am Abend des 8. November 2017 die "Grande Dame" der italienischen Literatur, Dacia Maraini in der Bücherhalle Altona aus ihrem Buch "Das Mädchen und der Träumer". 

100 Gäste hatten sich in der Bücherhalle eingefunden, um die Autorin live zu erleben und einen Einblick in ihren Roman zu erhalten.  Die deutschen Textpassagen las die Schauspielerin Annalena Schmidt, die Gesprächsführung und Übersetzung lag bei Francesca Bravi in kompetenten Händen. 

Im Mittelpunkt der Geschichte steht der Lehrer Nani Sapienza. Die erste Leseprobe begann damit, dass Nani von einem Mädchen in einem roten Mantel träumt, das entführt wird. Als er sich nach dem Erwachen vor dem Spiegel rasiert, hört er im Radio die Nachricht, dass ein Mädchen auf dem Weg zur Schule entführt wurde. Sie trug einen roten Mantel und weiße Gummistiefel. 

Das zweite Kapitel zeigt Nani in seiner Vaterrolle und beschreibt die Beziehung zu seiner Tochter, die im Alter von nur 6 Jahren an Leukämie verstorben ist. Der dritte Textauszug widmet sich dem Lehrer Nani Sapienza. 

Francesca Bravi und Dacia Maraini im Gespräch

Das Buch enthält psychologische Studien eines Vaters, der den Tod seiner Tochter nicht bewältigen kann, aber auch Elemente eines Kriminalromans und beschreibt detailliert, wie Misstrauen und Verdächtigungen in dem kleinen italienischen Dorf Einzug halten. Abgerundet wird die vielschichtige Erzählung durch den Bezug auf viele bekannte Bücher, unter anderem  auf "Pinocchio" oder "Alice im Wunderland" - Bücher, die sich ebenfalls mit Kinderwunsch und Kindesverlust beschäftigen.

Autorin Dacia Maraini

Schwierige Kindheitsthemen ziehen sich wie ein roter Faden durch viele Bücher der Autorin. Das beruht auf eigenen traumatischen Erfahrungen, unter anderem darauf, dass sie aufgrund der politischen Einstellungen ihres Vaters, als Kind zwei Jahre in einem japanischen Konzentrationslager interniert war. Sehr offen sprach sie darüber, dass sie in dieser Zeit des Hungers und ständiger Angst, Trost in den erzählten Geschichten der Eltern fand. Dacia Maraini, selbst eine leidenschaftliche Leserin, ist überzeugt, dass man Kindern mit Leidenschaft und Geschichten aktiv und motivierend Wissen vermitteln kann. 

Engagiert setzt sich die Autorin für Kindeswohl und Frauenrechte ein. Häufig wird sie zu Vorträgen in Schulen eingeladen, sie arbeitet mit Amnesty International zusammen und manchmal trifft man sie auch auf Demonstrationen. Eine außergewöhnliche Frau, die ihrem Publikum einen anregenden Abend bescherte.