Bücherhalle Langenhorn: 50 Jahre Bücherhalle Langenhorn im Wandel der Zeit

Anlässlich des 50. Geburtstag der Bücherhalle Langenhorn am 23. und 24. Mai 2013 haben wir für Sie, liebe Kunden, einen kleinen Rückblick auf die Geschichte der Bücherhalle zusammengestellt.

Auch einen Bericht von der Jubiläumsfeier finden Sie hier. Wir freuen uns über Ihr Interesse und wünschen viel Spaß beim Lesen.

Die Geschichte der Bücherhalle Langenhorn begann im Mai 1963. Auf 280 Quadratmetern Ausleihfläche wurde ein Bestand von 16.000 Büchern im Bürgerhaus Tangstedter Landstraße 41 präsentiert. 

Vor 1963 gab es die Volksbücherei Langenhorn in der Süderschule Langenhorner Chaussee 140, die 1908 gegründet wurde und aus der 55 Jahre später die Bücherhalle Langenhorn hervorging. Träger war damals die Gemeinde Langenhorn und der Bürgerverein von 1877.

Bücherhalle Langenhorn-Heidberg etwa 1965

Langenhorn gehört seit 1332 zu Hamburg und war erst eine Landgemeinde, bevor es am 1. Januar 1913 ein Stadtteil von Hamburg wurde. Für die Langenhorner Bürger gab es also nur am Rand von Langenhorn Volksbüchereien: Die 1905 gegründete Volksbücherei in Fuhlsbüttel, im Norden von Langenhorn die Bücherei am Tweeltenbek sowie die beiden nebenamtlich geleiteten Büchereien in den Schulen Langenhorner Chaussee und Timmerloh.

Aus den wenigen verbliebenen Aufzeichnungen kann entnommen werden, dass der Anfangsbuchbestand der Volksbücherei Süderschule weniger als 2.000 Bücher betrug.

Bücherhalle Langenhorn-Heidberg in den 1960er Jahren

1937 war es immer noch die gleiche Anzahl und es gab etwa 140 aktive Leser. Während der Öffnungszeit, Donnerstag von 17 bis 19 Uhr, wurden durchschnittlich 60 bis 70 Bücher  ausgeliehen. Weitere, zum Teil handschriftliche Briefe und Notizen geben Auskunft über den Bestand von 1942 bis 1962. Zugleich ist daraus die Anzahl der Leser zu ersehen, die Höhe des Etats und wie viele Bände in dieser Zeit ausgeliehen wurden.

Nach dem Krieg wurde die Bücherei am 18. Juni 1946, mit Genehmigung der Britischen Militärregierung, wieder eröffnet. 334 Bücher mit eindeutig nationalsozialistischem Inhalt wurden aussortiert und vernichtet.

Im ersten Jahrzehnt nach dem 2. Weltkrieg gab es Bestrebungen, die Volksbücherei zu vergrößern. Mit Hilfe der Kulturbehörde und der Stiftung Hamburger Öffentliche Bücherhallen gelang es 1963 endlich, eine Bücherhalle im Stadtteil Langenhorn zu installieren. Mit einer kleinen Eröffnungsfeier wurde das historische Datum, 23. Mai 1963, mit dem damaligen Direktor Dr. Joerden begangen.

Innenansicht der Bücherhalle Langenhorn, um 1963

Mit der Entwicklung der Bücherhalle ging es nun rasch aufwärts. Die Langenhorner Bürger und Kinder nutzten die Buchbestände so gut, dass zwei Jahre später mehr als 100.000 Bände pro Jahr ausgeliehen wurden. 1973 war der Bestand bereits auf 33.000 Bände angewachsen und es war abzusehen, dass die Räumlichkeiten bald zu eng werden würden.

Daher gab es immer wieder Überlegungen, die Bücherhalle an einen anderen Standort zu verlegen, zum Beispiel in den Neubau an der U-Bahn Langenhorn-Mitte. Später kam das Einkaufzentrum Langenhorn-Markt am Krohnstieg ins Gespräch, aber erst 1995/96 gab es eine Umgestaltung des Marktes durch die Robert Vogel GmbH. Nach einigen Verhandlungen gelang es, die Bücherhalle als Mieter zu gewinnen.

Im Jahr 1997 zogen die Bücherhallen Langenhorn-Mitte und Langenhorn-Nord (Holitzberg) gemeinsam am neuen Standort Langenhorner Markt 9 ein.

1997_ Neueröffnung der Bücherhalle Langenhorn mit Kultursenatorin Christina Weiss und Frau Runge und Herr Keidel

Anlass waren die Sparauflagen des Hamburger Senats: Kompensierung und Zusammenlegung waren die neuen Schlagworte mit denen das Sparen umschrieben wurden. Viele Bücherhallen wurden in den nächsten Jahren geschlossen und auch Zusammenlegungen bedeuteten immer den Wegfall einer Bücherhalle. 

Auf der Einweihungsfeier der neuen Bücherhalle Langenhorn im Februar 1997 mit der damaligen Kultursenatorin Christina Weiss stand der Schriftsteller Helmuth Warnke auf und bemerkte sehr zutreffend: "Eine Schließung ist unwiderrufbar und bedeutet einen kulturellen Verlust für jeden Stadtteil!"

Bücherhalle Langenhorn im Bücherturm am Langenhorner Markt

Seit der Zusammenlegung der beiden Langenhorner Bücherhallen stehen der Bibliothek 420 Quadratmeter für Büro- und Ausleihfläche zur Verfügung. Der Medienbestand beträgt 30.000 bei einer Ausleihe von  ungefähr 250.000  Medien pro Jahr. Etwa 41.000  Menschen leben in Langenhorn, die Bücherhalle zählt pro Jahr rund 100.000 Besucher. 

Längst geht das Aufgabenspektrum öffentlicher Bibliotheken weit über das Verleihen von Medien hinaus. Neben der Medien- und Informationsvermittlung ist auch in der Bücherhalle Langenhorn die Öffnung für Gruppen und Initiativen fest im Arbeitsalltag verankert.

Einmal wöchentlich findet zum Beispiel der Gesprächskreis "Dialog in Deutsch" in der Bücherhalle statt. Unter Anleitung Ehrenamtlicher haben Erwachsene mit Migrationshintergrund die Möglichkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen, Erfahrungen auszutauschen und ihre Deutschkenntnisse praktisch anzuwenden und zu erweitern. Das alles in zwangloser Atmosphäre, ohne vorherige Anmeldung und kostenfrei.

Kinder und Jugendliche werden zweimal wöchentlich in der Bibliothek unterrichtet in "Deutsch als Zweitsprache". Der Kurs des Interkulturellen Schülerseminars der Universität Hamburg ist ein Mentorenprojekt zur sprachlichen Bildung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund.

Regelmäßige Klassenführungen sowie Leseförderungsangebote für Kitas sind selbstverständlicher Bestandteil der Arbeit.

Glückliche Kinder mit Luftballon-Tieren in der Bücherhalle Langenhorn

Veranstaltungen für Kinder unterschiedlicher Altersstufen und für Erwachsene ergänzen die Angebote der Bücherhalle.

Durch die technischen Veränderungen in den vergangenen Jahrzehnten hat sich der Bücherhallenalltag stark verändert. Die Entwicklung von der sogenannten "Handverbuchung" mit Leseheft, hin zur "Fotoverbuchung" mit Lochkarten, bis zum EDV gestützten Verbuchungssystem, hat viele neue Arbeitsinhalte geschafffen, andere sind weggefallen. 

Die Mitarbeiter der Bücherhallen befinden sich in einem ständigen Veränderungsprozess, den sie bisher mit Interesse und großem Engagement gemeistert haben.

Zum Schluss einige wichtige Kennzahlen aus dem Jahr 2012:

Literaturempfehlungen in der Bücherhalle Langenhorn

  • Personalausstattung: 2 Bibliothekare und 3,5 Fachangestellte        
  • Medienbestand: 30.000 Medien
  • 92 Veranstaltungen für Kinder und Erwachsene: Führungen für Kitas, Schulen, Theaterveranstaltungen und Lesungen.

Die berühmteste Persönlichkeit Langenhorns, Altkanzler Helmut Schmidt,  schrieb in einem Vorwort über den Stadtteil Langenhorn: "Wer aber unsere Geschichte nicht kennt, der kann nicht wissen, wie wir unsere Zukunft gestalten sollen".  (Zitat aus: "Langenhorn im Wandel" von Michael Ebert und Thomas Glatzer)